Würdigung SIAF Award 2013

Würdigung der preisgekrönten Arbeit durch Prof. Dr. Georg Kohler,
Vorsitzender der Jury

Der SIAF-Award, der in diesem Jahr Zürcher Arbeiten aus dem Bereich der Rechtswissenschaft auszeichnet, geht an Herrn Lorenz Langer und seine Dissertation mit dem Titel

Law, Religious Offence and Human Rights. Defamation of Religions and the Rationales of Speech Regulation.

Religionen vor Diffamierung war nach dem bekannten dänischen Karikaturenstreit von 2005 erneuert und intensiviert von der OIC, der „Organisation für islamische Kooperation“, vertreten worden. Eine Serie kritischer Zeichnungen zum Propheten Mohammed hatte damals für heftige, auch gewaltsame Proteste in der muslimischen Welt und Diaspora gesorgt. Die Idee, gegen die „Diffamierung von Religionen“ ein internationales Abkommen zu beschliessen, hatte die OIC schon 1999 vertreten und im Rahmen der UNO damit auch einige Erfolge erzielt. Zu einem solchen Abkommen, das tiefgreifende Konsequenzen für die internationale Rechtsordnung haben und insbesondere das grundlegende Paradigma der Menschenrechte relativieren würde, ist es bis jetzt jedoch, dank des wachsenden Widerstandes nicht nur westlicher Staaten nicht gekommen.
Es ist offensichtlich, dass die Untersuchung von Lorenz Langer einem zentralen Thema von internationaler, globaler Bedeutung gilt; einem Thema, dessen Brisanz noch lange anhalten dürfte.
Des einen Credo ist des anderen Gotteslästerung. In der globalisierten und zugleich weltanschaulich-konfessionell pluralisierten Welt ist die zunehmende Häufigkeit und Verschärfung dieser Erfahrung unausweichlich. Um so dringlicher wird die Aufgabe, eine völkerrechtliche Friedensordnung als tragfähig und überzeugend auszuweisen, die die Spannungen und Konflikte zwischen religiösen Kulturen und umfassenden Ideologien nicht leugnet, aber so zu moderieren in der Lage ist, dass aus den Gegensätzen keine blutigen Kämpfe, stattdessen zivilgesellschaftliche Konkurrenzen entstehen können. Langer plädiert dem entsprechend mit einleuchtender, sorgfältig und materialreich entwickelter Argumentation für – zumindest auf internationaler Ebene – die Verteidigung des Menschenrechtsregimes mit seinem Primat des Rechtes auf Differenz gegenüber allen religiösen Letztgültigkeitsprätentionen.
Die mit dem diesjährigen SIAF-Award ausgezeichnete Arbeit ist ein Beispiel für die Verknüpfung aktueller, politisch relevanter Problemanalyse mit der Erfüllung höchster wissenschaftlicher Standards. Sie gereicht dem Preis nicht weniger zur Ehre als er ihr.

Für die Jury des SIAF Award, der Präsident
Georg Kohler

26.9.13